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Der Preiskampf zwischen Discountern und Supermärkten galt lange als Grund für günstige Lebensmittel in unseren Regalen. Seit einiger Zeit steigen die Preise jedoch. Schuld daran sind aber nicht nur die Märkte, sondern auch die Verbraucher*innen.

Sie schlagen erbitterte Schlachten um den niedrigsten Preis und das beste Angebot: Discounter und Supermärkte. Die fünf führenden Ketten, Edeka, Rewe und Metro auf der Supermarktseite, Aldi und Lidl als führende Discounter, teilen sich heute rund 90% des gesamten Marktes. Alleine die Edeka-Gruppe erwirtschaftet in knapp 12.000 Filialen ein Drittel des Umsatzes im Lebensmitteleinzelhandel. Produzenten und Lieferanten kommen nicht an den Riesen vorbei, durch deren Marktmacht Preise entstehen, denen kleinere Einkaufsmärkte nicht standhalten können. 

In den letzten zwölf Monaten sind viele Lebensmittel allerdings teurer geworden. Mit etwa drei Prozent fast das Doppelte im Vergleich zu anderen Produkten. Vor allem die Preise für Speisefette und Öle sind mit 21,5% ordentlich angestiegen, Eier und Molkereierzeugnisse mit 8,48% ebenfalls. Generell nehmen die Ausgaben privater Haushalte für Nahrungsmittel zu. Wurden deutschlandweit 2014 noch gut 138 Mrd. Euro ausgegeben, waren es 2017 schon über 154 Mrd. Ein Grund dafür sind Discounter wie Lidl und Aldi. Seit Jahren versuchen sie, ihre Konkurrenzfähigkeit zu erhöhen, indem sie mehr und mehr Markenartikel in ihr Sortiment aufnehmen. So steigt auch der durchschnittliche Preis bei einem Einkauf. 

Abgeflachter Preiskampf als Ursache?

Im Februar diesen Jahres hat die Forderung nach besseren Einkaufskonditionen dazu geführt, dass die europäische Händlerallianz Agecore, zu der auch Edeka gehört, über 160 Produkte des Großkonzerns Nestlé zeitweise aus den Regalen genommen hat, darunter Nescafé, Maggi, Thomy oder Vittel. Zusammen wickelt Agecore rund zwei Milliarden Euro mit Nestlé ab, etwa 2,6% von Nestlés Gesamtumsatz (2017 ca. 90 Mrd. CHF). Schon vor einem Jahr hatte der Discounter Lidl Getränke der Marke Coca Cola aus dem Sortiment verbannt, weil es zu einem Streit im Vermarktungskonzept gekommen war. Heftigere Preisverhandlungen zwischen Einkaufsmärkten und Herstellern sind demnach nicht ungewöhnlich. 

Dass die verbesserten Konditionen bei den Konsument*innen ankommen, ist bisher nicht zu erkennen. Viel eher sieht Matthias Queck von LZ Retailytics, der Analystengruppe von "Die Lebensmittel Zeitung", den Preiskampf unter den Lebensmittelhändlern als abgeflacht. "Weder die Discounter noch die Supermärkte haben im Moment ein Interesse daran, unnötig preisaggressiv aufzutreten", zitiert ihn die Frankfurter Rundschau. Ohne Konkurrenzkampf steigen automatisch auch die Lebensmittelpreise, da die Märkte ihre Preise setzen können, ohne fürchten zu müssen, dass ihre Mitbewerber dasselbe Produkt deutlich günstiger anbieten. Die Zeiten von großangelegten Rotstift-Angeboten scheinen der Vergangenheit anzugehören.

Konsument*innen tragen zum Anstieg bei 

Ein weiterer wichtiger Grund für teurere Lebensmittel ist, dass die Verbraucher*innen höhere Qualitätsansprüche haben. Die Wirtschaft in Deutschland ist stabil, die Arbeitslosigkeit gering, was den Konsum steigen lässt. Regionale- und Bio-Produkte erlangen immer größeren Stellenwert. Nach dem Ernährungsreport des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) 2017 legen 73% der Befragten Wert auf Lebensmittel aus der eigenen Region, vor allem Kartoffeln, Eier und Molkereierzeugnisse sind gefragt. Die Einkaufsmärkte stellen sich darauf ein und nehmen bevorzugt Produkte mit Güte- und Qualitätssiegeln ins Programm. Zudem steigt der Umsatz mit Fairtrade-Artikeln. Wurden noch im Jahr 2000 'nur' 52 Mio. Euro mit Fairtrade-Produkten erwirtschaftet, waren es 2012 bereits 533 Mio. und im Jahr 2017 sogar 1,329 Milliarden Euro. Der Markt mit den Siegeln boomt, obwohl die Produkte teurer sind. 

Ob durch fair gehandelte Lebensmittel das Versprechen für bessere Arbeitsbedingungen gehalten wird, ist eine andere Frage. Ebenfalls unklar ist, ob der Konsumtrend sich fortsetzt und der Preiskampf weiter abflaut. Bisher ist jedenfalls kein Ende der Preissteigerungen in Sicht.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/edeka-zwingt-offenbar-nestle-in-die-knie-a-1203277.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/edeka-beendet-nestle-boykott-a-1205790.html

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/handel/nestle-edeka-sortiert-maggi-wagner-und-vittel-aus-den-regalen-a-1194149.html

https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-02/edeka-nestle-preiskampf-produkte-sortiment

http://www.supermarktmacht.de/preiskampf/

http://www.supermarktmacht.de/marktmacht/

https://www.derwesten.de/wirtschaft/annaeherung-im-streit-zwischen-nestle-und-edeka-id214040509.html

http://www.fr.de/leben/recht/preiskampf-ade-lebensmittel-werden-immer-teurer-a-1492978

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/warum-lebensmittel-in-deutschland-immer-teurer-werden-15557426.html

https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/markt/video-preiskampf-discounter-gegen-drogeriemaerkte-100.html

https://www.bauernverband.de/13-nahrungsmittel-verbrauch-und-preise-803591

https://www.bauernverband.de/15-lebensmittelhandel-803595

https://klbdeutschland.de/pressemeldung-der-klb-zum-preiskampf-bei-lebensmittel/

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/lebensmittel-preise-101.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/aldi-lidl-edeka-rewe-oxfam-kritisiert-geschaeftspolitik-a-1213655.html

http://www.spiegel.de/spiegel/lebensmittelhersteller-sparen-in-osteuropa-an-teuren-zutaten-a-1182721.html

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/615702/umfrage/beliebteste-einkaufsmaerkte-in-westdeutschland/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/181354/umfrage/oeko--oder-bio-pruefsiegel-als-kaufkriterium/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/181356/umfrage/bevorzugung-von-produkten-aus-der-eigenen-region/

https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-einer-krise-zur-naechsten-milchbauern-fuerchten-um-ihre.1001.de.html?dram:article_id=411116

https://www1.wdr.de/fernsehen/menschen-hautnah/sendungen/Burn-out-im-Stall-100.html